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Serverboard Forum - CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf
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Autor: Betreff: CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf
Super Moderator
Alter Esel

IhmSelbst
Beiträge: 339
Registriert: 29/12/2002
Status: Offline
Geschlecht: männlich
smilies/achtung.gif erstellt am: 1/4/2004 um 02:20  
ccc







CCC fordert zum Boykott der Musikindustrie auf


March 30, 2004

(Pylon)

Nach der Klage der IFPI gegen einzelne Tauschbörsennutzer fordert der
Chaos Computer Club zum Boykott der von der IFPI vertretenen
Musikverlage auf. Die Branche solle nicht den Nutzern die Schuld geben,
wenn sie selber den Beginn des Informationszeitalters verschlafen
und es versäumt hat, ihr Geschäftsmodell an die digitale Welt
anzupassen.

Informationsfreiheit ist kein Verbrechen


Der CCC hält die [Externer Link] Klagen des Bundesverband Phono / der IFPI für stark fragwürdig. Es kann nicht sein, dass die Musikindustrie ihre Ziele dadurch erreicht, in dem sie eine massive Panik vor immensen Schadensersatzforderungen schürt. Solche sind in Deutschland auch gar nicht durchsetzbar. Es geht vielmehr darum, die Nutzer von Tauschbörsen einzuschüchtern. Dies zeigt sich auch bei der Kampagne der Gesellschaft zur
Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) [Externer Link]
"Raubkopierer sind Verbrecher"
. Auch hier werden bewusst juristische Falschaussagen über die Strafbarkeit von Urheberrechtsverletzungen gestreut, um den Tauschbörsen das Wasser abzugraben.

Das [Externer Link]Urheberrecht ist kein Naturrecht, sondern ein Ausgleich dafür, dass der Urheber sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. In erster Linie ist das Urheberrecht hierbei ein Ausfluß des Persönlichkeitsrechtes. Auch die wirtschaftlichen Verwertungsrechte werden dem Urheber zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz verliehen. Hierbei bestehen jedoch immanente Schranken. So darf das Werk für die private Verwendung frei kopiert werden. Diese auch als "fair use" bezeichnete Begrenzung ist eine Ausprägung der Informationsfreiheit und somit ein Grundrecht.

Diesen Umstand versucht die Musikindustrie durch pausenlose Kampagnen zu unterminieren. Sie stellt die Privatkopie auf die selbe Stufe wie Kinderschänder und Rechtsradikale. So [Externer Link] forderte der Vorstandsvorsitzende der GEMA auf der Popkomm, nach erfolgreichen Ermittlungsmaßnahmen im Bereich von KinderUnerwünschtographie und Nazipropaganda eine Ausweitung dieser Maßnahmen auf Tauschbörsennutzer. So werden die Kunden auf infame Weise verunglimpft..
Die volkswirtschaftlich eher unbedeutende Urheberrechtsindustrie will aber noch weiter gehen. Mit der neuen Richtlinie über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum des Rats der Europäischen Union will sie das Recht erhalten, Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss und auch bei alltäglichen Verstössen durchzuführen. Industriespionage und Missbrauch werden hier Tür und Tor geöffnet.

So fragt sich ein Clubmitglied zu Recht:
"Soll jetzt die
Bevölkerung kriminalisiert werden, weil der Markt es nicht schafft, das
Angebot für die Nachfrage zu liefern? Gesetzliche Sicherheit gegen
Marktversagen auf Kosten der Freiheit? Wie kommt es, dass man mit
Klingeltönen mehr Geld macht als mit Musik?"


Neben den politischen Gründen für einen Boykott der Musikindustrie gibt
es auch noch ganz handfeste pragmatische Gründe:


  • Mit den Erlösen aus den CD-Käufen bezahlt die Musikindustrie die
    Klagen gegen unsere Kinder. Wieso sollten wir als Gesellschaft dem
    Gegner auch noch seine Munition finanzieren?

  • Mit den Erlösen aus den CD-Käufen bezahlt die Musikindustrie die
    Kopierschutz, sowohl die Forschung als auch die Umsetzung. Wieso
    sollten wir als Gesellschaft Technologien finanzieren, deren
    einziger Zweck darin besteht, uns an der Ausübung unseres Rechtes
    auf Kopieren zu hindern?

  • Wir haben das Recht auf Kopien über GEMA-Abgaben auf CD-Brenner und
    -Rohlinge erkauft. Es ist unglaublich, wenn wir uns jetzt die
    Ausübung unseres bezahlten Rechtes als "Raub" vorwerfen lassen
    müssen.


Doch weshalb sind Peer-to-Peer (P2P) Tauschbörsen so
beliebt? Als einige Argumente sind zu nennen


  • Die Qualität der Musik auf dem Markt ist gesunken.


    Musik, die der Musikindustrie nur einen noch besseren Umsatz beschert,
    nur kurze Zeit in den Charts zu hören, aber nicht von Dauer ist, lohnt sich
    nicht für teures Geld zu kaufen. In wenigen Jahren erinnert sich sowieso
    niemand mehr an die damaligen Stücke.

  • Der Preis für eine CD ist zu hoch.

    Zumindest für die
    hart umworbene Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wie
    Studien ergaben, kaufen sich diejenigen CDs, die auch ein Einkommen haben,
    sprich die Gruppe der ab 40jährigen.

  • Der CD-Kopierschutz hindert Hörer daran CDs auf aktuellen
    CD-Playern abzuspielen.

    Selbst etliche Auto-CD-Spieler können die
    gekaufte CD nicht mehr abspielen. So bleibt für viele Hörer nur der Weg in
    Tauschbörsen, um sich diese CD in digitaler Form herunter zu laden und auf
    eine CD zu brennen, die sich überall abspielen lässt.


  • Die Auswahl in den Musikläden ist begrenzt.

    Für
    Raritäten sind Tauschbörsen eine Fundgrube. Wer nicht in Großstädten wohnt
    oder die Zeit hat, etliche Plattenläden zu besuchen, kann sich daheim sein
    Lieblingsstück von vor 20 Jahren runter laden. Ohne viel Suchen.

  • Tauschbörsen haben sich als ein ideales Vertriebsmittel
    herausgestellt -- allein eine vernünftige Bezahlfunktion fehlt.


    An der Musikindustrie ist der Zug des Internets vorbei gefahren. Die
    Musikhörer haben ihre eigenen Vertriebswege für aktuelle Technik gefunden,
    die ihre Wünsche befriedigt. Währenddessen hat sich die Musikindustrie
    weiter darum gekümmert ihre Pfründe zu wahren. Doch viele Hörer sind
    bereit, Künstler für ihr Werk zu entlohnen. Dazu müssen neue Wege
    geschaffen werden, um ihnen gerecht das Honorar zukommen zu lassen.




Mit dem Klagen der Musikindustrie muss nun endlich Schluss sein!
Der CCC fordert deshalb auf, die Musikindustrie dort zu treffen, wo sie am
verwundbarsten ist. Entziehen wir ihnen den Umsatz! Dieser kann dann nicht
mehr dazu verwendet werden, in großen Anzeigenserien die Kunden zu
diffamieren.

Der CCC hat zu dieser Kampagne [Interner Link] Banner zur freien Verwendung erstellt. Tauschbörsennutzer können so Ihrem Unmut Ausdruck verleihen, dass sie das Vorgehen der Musikindustrie nicht gut heißen. Kreative Pixelschubser sendet bitte Links zu euren Vorschlägen an [Mail]mail@ccc.de (keine Attachments). Wir bitten um die Einbindung auf möglichst vielen Webseiten.

Abschließend sei auf die Worte von Dirk Bach bei der diesjährigen Echo-Verleihung angesichts der Nominierten verwiesen
"Und ihr wundert euch, dass es euch schlecht geht?"

[External Link]


quelle:

CCC - Kampagne zum Boykott der Musikindustrie


cu


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